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Die Geschichte von Graz in einem groben Überblick


In etwa um das Jahr 800 entstand im Grazer Becken eine erste Ansiedlung. Nur ein bisschen mehr als hundert Jahre später, in Jahr 907 des Herren, fällt die Steiermark bei der Schlacht von Pressburg an Ungarn. Erst etwa dreihundert Jahre später, im 12. Jahrhundert kristallisierte sich der Kern der Altstadt heraus. 1122 erlangen die Traungauer durch Erbschaften die Herrschaft über die Ober- und Mittelsteiermark (Katantanien = Mark an der mittleren Mur).

Gebaut und geplant wurde in dieser Zeit nach  dem Vorbild der deutschen Ackerbürgerstädte. Es entstand die nach Plan angelegte Marktanlage eingebettet zwischen dem Schlossberg und der Mur. Die Mur ist ein ungefähr 450 km langer Nebenfluss der Drau. Im Jahre 1128 wird Graz das erste Mal schriftlich erwähnt. Die Ehre einer erstmaligen Erwähnung als Marktsiedlung wird Graz  im Jahre 1164 zugestanden. Aus dieser Marktsiedlung erwuchs schließlich die Stadt. 1180 erhebt Kaiser Friedrich Barbarossa die Steiermark zu einem Herzogtum mit all seinen Rechten, aber auch Pflichten. Der größte Teil der Bürger  erarbeitete sein tägliches Brot aus der Landwirtschaft und aus dem Gewerbe. Die Hofstättengrundrisse z.B. in der Sackstrasse, mit ihren lang gezogenen Grundrissen, legen darüber ein sehr deutliches Zeugnis ab. 1186 erlangen die steirischen Ministerialen besondere Privilegien durch einen verbrieften Erbvertrag zwischen Traungauern und den Babenbergern.

1192 sterben die Traungauer aus und die Steiermark gelangt in den Besitz Leopolds V. von Babenberg, den Herzog von Österreich.

 

 

Graz besaß bis ins 13. Jahrhundert kein Kirchenzentrum im innerstädtischen Bereich. Die als Pfarrkirche geplante und konzipierte  Ägydiuskirche errichteten die Bewohner der Stadt Graz erst im 13. Jahrhundert in erhöhter Lage, außerhalb des Zentrums. Die Gegensätzlichkeit von Marktanlage und Wehrkirche gab den Ausschlag für die spätere Entwicklung von Altstadt und Stadtkrone.

 

1276 schließen sich die Steirer als Vasallen des Deutschen Reiches König Rudolf I. von Habsburg an. Gemeinsam besiegen sie 1278 König Ottokar II. von Böhmen in der Schlacht von Dürnkrut im Marchfeld. 1282 wird die Steiermark habsburgisches Erblehen. Dem Bergbau wird unter Albrecht von Habsburg großes Augenmerk geschenkt, Wissenschaften werden gefördert und die ersten Städte entstehen. Also stand Graz seit dem Ende des 13. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Habsburger. 1379 wurden die habsburgischen Länder geteilt. Damit ergab sich endlich die Grundlage für ein selbständiges Innerösterreich, das sich aus den Ländern Steiermark, Kärnten, Krain, Götz, Köstenland und Istrien zusammensetzte. In jenem Jahr entschied die Leopoldinische Linie der Habsburger Graz zur Residenz zu machen. Herzog Friedrich V. begann mit dem baulichen Aufschwung der Stadt. Als er als Friedrich III. zum Kaiser (1452-1493) gewählt wird, verleiht er Graz den Status einer Kaiserresidenz. 1396 dringen die Türken das erste Mal in die Steiermark ein und verwüsten den Süden des Landes.

 

Kaiser Friedrich III. bestand wie alle Habsburger auf eine Verknüpfung der weltlichen mit der geistlichen Macht. Um diesen Fakt zu symbolisieren organisierte er den Neubau der Stadtburg und der gotischen Pfarr- und Hofkirche. Ab 1438 wird an der Burg und am Dom gebaut.

 

An der Stelle des heutigen Doms ragte eine Wehrkirche, die erstmals 1174 urkundlich genannt wird, in den Himmel. Von 1438 bis 1462 erfolgte unter Kaiser Friedrich III. der Neubau der als Pfarrkirche im spätgotischen Stil. Auf der südlichen Außenfassade des vom Kaiser zur Hofkirche erklärten Bauwerkes befindet sich die älteste Grazer Stadtansicht von 1481. Bildlich dargestellt in Form eines Landplagenbildes. Es zeigt das Jahr 1480 in dem die Türken, Heuschrecken und die Pest Graz bedrohten. Durch die Mischung dieser Vorfälle verarmte die Region völlig. Das Innere des Doms prahlt mit zahlreichen Kunstwerken. Die bedeutendsten davon stellen die Renaissance-Brauttruhen von 1477 der Paola Gonzaga aus Mantua dar. 1617 wurden sie als Reliquienschreine adaptiert. 1493-1519 Maximilian I. von den Ungarn übernimmt die Alpenländer. Unter seiner Regierung werden unsinnigerweise die Juden aus dem Land vertrieben. 1544 wird Graz zur Hauptfestung gegen die Türken ausgebaut.1577 wird das Gotteshaus den Jesuiten übergeben. Sie geben der spätgotischen Staffelhalle in zwei Umgestaltungsphasen im 17. und 18. Jahrhundert ihr barockes Gesicht. Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahr 1786 ernennt der Bischof der Diözese Graz-Seckau die Kirche zum Dom. Der Grazer Dom gilt bis heute als Beispiel der Harmonie verschiedener Stilepochen.

 

Neben dem Dom erstrahlt das manieristisch-barocke Mausoleum Kaiser Ferdinands II. Im 17. Jahrhundert regierte er Österreich vorübergehend aus Graz. Das Mausoleum begründete Pietro de Pomis 1614. Vollendet wurde es dann 1714 von Pietro Vallnegro. Der Barockbau, an dem auch Fischer von Erlach mitarbeitete, entstand aus einer ehemaligen Friedhofskapelle.

 

In Sichtweite des frühbarocken Landeszeughauses, schräg gegenüber, erfreut die gotische Stadtpfarrkirche mit barocker Schaufassade und einem Dachreiter ihre Besucher. Die gotische Hallenkirche wurde von 1484 bis 1519 erbaut. Die barocke Fassade entstand Mitte des 18. Jahrhunderts. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Kircheninnere wieder in den Baustil der Gotik zurückgeworfen. Von der ursprünglichen Innenausstattung ist deshalb nur mehr sehr wenig erhalten. Als künstlerisch und historisch bedeutendstes Kunstwerk der Stadtpfarrkirche gilt das sich im Johannesschiff befindende Altarbild Maria Himmelfahrt (1594) vom Venezianer Jacopo Tintoretto. Die Glasfenster, die aus dem 20. Jahrhundert stammen, stellte Alfred Birkie in der Apsis her. Im Glasfenster zur Dornenkrönung Jesu fügte der Künstler Hitler und Mussolini ein.

 

Kaiser Friedrich III. legte mit der Errichtung zahlreicher kirchlicher und profaner Bauten das Fundament und die Entwicklungsmöglichkeit für die in Österreich einzigartige und noch weitgehend erhaltene bipolare historische Stadtanlage von Graz. Sein Sohn Kaiser Maximilian I. gab 1499 den Auftrag, in einem Trakt der Grazer Burg eine Doppelwendeltreppe zu erbauen. Mit ihren gegenläufig gedrehten Steinstufen stellt sie nicht nur eine grandiose und kuriose Sehenswürdigkeit von Graz dar, sondern auch ein im deutschen Sprachraum einzigartiges Meisterwerk der spätmittelalterlichen Architektur.

 

Nach einer weiteren Teilung des Habsburgerreiches wurde Graz unter Erzherzog Karl II. 1564 erneut zur Residenz im inneren Österreichs, von Innenösterreich, das als eigener Staat institutionalisiert wurde.

 

Die Türkeneinfälle zeigten ihre Wirkung und blieben nicht ohne Folgen. Sie zwangen die Habsburger zur Sicherung ihrer Südostgrenze.  Eine durchgehende Festungskette von Wien über Graz bis zum Adriatischen Meer als Bollwerk durchzog das Land. Graz kam dabei eine Schlüsselstellung zu. Die Stadt wurde ab 1543 zu dem wichtigsten Bollwerk gegen die Türken ausgebaut. Die Stadtbefestigung und die unter Kaiser Friedrich III. errichteten Befestigungsanlagen am Schlossberg wurden nach italienischen Vorbild, dem Bastionärsystem ausgebaut und befestigt. Das Stadtareal verdoppelte sich durch den Bau von zwölf Bastionen und zwei Ravelins beinahe. Von den Bastionen ist das Äußere Paulustor (1606-1614) immer noch zu bewundern. Erzherzog Karl II. rekrutierte für die Erweiterungsbauten herausragende Architekten aus Italien, die neben ihrer Hauptaufgabe auch großzügige zivile Neu- und Umbauten aus dem Boden stampften. Das Stadtbild von Graz durchzogen von da an starke Einflüsse der italienischen Renaissance. Es ergab das einzigartige architektonische Gemisch der Stadt, das bis heute fortbesteht.

 

Zu den bedeutendsten italienischen Renaissancebauten außerhalb ihrer italienischen Heimat gehört das von Domenico dell'Allio erbaute Landhaus in der Herrengasse mit seiner oberitalienischen Hauptfassade und dem großräumigen Innenhof. Heute finden hier Konzerte und Freilichtaufführungen in stimmungsvollen Rahmen statt.

 

Die Gegenreformation erreichte schließlich auch Graz. 1572 rief man die Jesuiten in die Stadt. Diese entwickelten eine außerordentlich erfreuliche, fruchtbare bauliche Aktivität. Der italienische Baumeister Vinzenz de Verda errichtete ab 1572 das monumentale Jesuitenkollegium, das heutige Priesterseminar. 1585 zeigt sich Erzherzog Karl II in seinen Spendierhosen und stiftet Graz die Universität. Mit der 1586 gegründeten Universität wird Graz endlich zu einem bedeutenden Kulturzentrum.

 

 

1619 bekommt Ferdinand die Deutsche Kaiserkrone und wird zum Kaiser gekrönt. Als Ferdinand II. vereinigt er den gesamten Länderbesitz seines Hauses in Österreich. Die Selbständigkeit vom sogenannten Innerösterreich endet. Graz verliert den Charakter einer Residenz, da der Hof nach Wien übersiedelt.

Die Wahl des Sohnes von Erzherzog Karl von Innerösterreich zum Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1619 bedeutete das Ende von Graz als Residenzstadt. Der Hof zieht nach Wien. Graz bleibt aber Landeshauptstadt. Die 1625 neu organisierten Grazer Behörden verwalteten weiterhin die innerösterreichischen Länder.

 

Ferdinand II. setzte alles drauf und dran, um die Gegenreformation zu unterstützen. Unter ihm wächst die Universität Graz zu einem geistigen Zentrum der gegenreformatorischen Aktivitäten. Zusammen mit dem Priesterseminar bildete die ehemalige Jesuitenuniversität (1607/09), den Ursprung der heutigen Karl-Franzens-Universität, das wichtigste geistige Zentrum im gesamten südosteuropäischen Habsburgerreich. Heute gibt es in der Universität sogar eine Jazzfakultät.

 

Der Wegzug des Hofes im Jahr 1619 führt zum Aufschwung adeliger und bürgerlicher Baukultur, der von den weiterhin in Graz tätigen italienischen Handwerkern und Künstlern getragen wird. So werden in der Barockzeit baugeschichtlich wertvolle Palais errichtet. Da wären zu nennen: die von Attems, Stubenberg, Welsersheim und Wildenstein, die mit künstlerisch hochwertigen Stuckdekorationen sowohl in den Innenräumen, als auch in den Außenfassaden aufwarten.

 

1740-1780 zentralisiert Maria-Theresia von Wien aus die Staatsverwaltung. Das steirische Herzogtum existiert jetzt nur noch dem Namen nach.

 

1797 stehen französische Heere, die über die Steiermark anrückten, vor Wien. Sie besetzen Metropolen Graz, Bruck/ Mur, Leoben und andere Städte. Graz verweigert Napoleon den Eid der Treue. Daraufhin löst Napoleon den Grazer Landesrat auf.

 

1809 belagern die Franzosen die Grazer Festung auf dem Schlossberg. Da hilft auch der Friedensvertrag von Schönbrunn nichts mehr. Die Festung wird geschleift. Plünderungen und Requisitionen bringen die steirische Wirtschaft zum Erliegen.

 

Erst unter Erzherzog Johann 1811 findet die rückständige Steiermark den Weg zur Industrialisierung zurück. Erzherzog Johann erweist sich Mäzen auf allen Gebieten. Zu seinen Favoriten zählen der Bergbau, die Agrikultur, das Verkehrswesen,  die Kunst, allgemeine Wissenschaften und das Handwerk. Erzherzog Johann wird 1848 von der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt zum Reichsverweser ernannt.

 

Ein schwerer Schlag traf die Steiermark im Jahr 1919. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg wird im Friedenvertrag von St. Germain die Untersteiermark an den neu geschaffenen jugoslawischen Staat abgetreten. Die Steiermark verliert damit rund ein Drittel ihres Gebietes.

 

Es kam die düstere Zeit der Nazis und Volksverhetzer. 1938 findet, fast zwei Wochen bevor deutsche. Truppen die Grenze überschreiten, in Graz die "Grazer Volkserhebung" statt, eine Sympathiekundgebung für Hitler. Leider sind die Tendenzen auch im Graz der Gegenwart nicht zu übersehen. Es spricht aber keiner darüber. Genauso muss es 1938 gewesen sein.

 

Gott sei Dank geht der Krieg verloren und 1945 ziehen sowjetische Truppen, später britische Truppen in Graz ein, die bis 1955 bleiben.

 

1960 wird das Abkommen über den kleinen Grenzverkehr mit Jugoslawien geschlossen.

 

1968 wird der erste Steirische Herbst eröffnet.

 

1995 wird Österreich Mitglied in der EU.

 

 

Früher oder später musste es geschehen. Die historische Grazer Altstadt gelangte am 1. Dezember 1999 zu der Ehre, in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen zu werden. Die mit zirka 250,000 Einwohnern zweitgrößte Stadt Österreichs ist nicht nur die Hauptstadt der Steiermark, sondern war im Jahr 2003 zudem Kulturhauptstadt Europas.

Vom Jahr der Kulturhauptstadt zeugen heute noch die Murinsel und der Friendly Alien, das Kunsthaus.