Ralph Reichart

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Das Gespenst von Canterville 2009

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Susi Trotter - Das Geheimnis der Waldgruft

Susi Trotter, Ralph Reichart, Regenbogen, Autorenwebsite, Autorenhomepage, Autor, Schriftsteller Susi Trotter - Luxusausgabe 2.Auflage

Susi Trotter


Das Geheimnis der Waldgruft


Klappentext des Buches


Susi Trotter ist eine Hexe. Durchgeknallt und exzentrisch bis zur Perfektion. Im Vergleich zu ihren lieben Verwandten ist sie allerdings unkompliziert und nett. Frühstück gibt es um vier Uhr nachts. Ausgerechnet wegen ihrer Macken ist die gesamte Sippe liebenswert und witzig. Die Trotters halten zusammen wie Pech und Schwefel. Ihre Hobbies sind: Lästern, schicke Garderobe, Rauchen, Fitness, Motorradfahren, Oldtimer, Hexerei und ganz besonders die Tücken der Schönheitspflege. Bis eines Tages ein Anschlag auf sie erfolgt.

Doch die Übeltäter machten die Rechnung ohne Susi & Co. In einer explosiven Mischung aus Gruppendynamik und Selbsterhaltungstrieb wehren sie sich. Jeder Hinweis führt zur Waldgruft. Was geht hier vor? Kann die Familie das Böse überlisten und wird sie am Ende als Sieger hervorgehen?

Eine witzig spritzige Komödie, die weder sich selbst, noch deren Darsteller ernst nimmt. Schräge Charaktere, die einzigartig und in ihrer Art unbedingt liebenswert sind. Und wie es bei diesen Geschichten meistens ist, wird am Ende alles gut. Doch bis dahin gibt es einen spannenden turbulenten Kampf gegen einen Gegner, der nicht zu unterschätzen ist. Welche Rolle spielt dabei ein Make-up-Schach? Sie werden es sehen und staunen!

 

Hardcover: 160 Seiten

 

2. Auflage November 2011


Sprache: Deutsch


ISBN-10: 3839145876


ISBN-13: 978-3839145876


Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 15,1 x 1,5 cm


175,-- Euro

 

 

 

Susi Trotter - Leseprobe

1. Kapitel

 

Frühstück um vier Uhr morgens.

 

„Susi, komm endlich raus aus dem Bad!“, plärrte eine Stimme, die nach dem Endstadium des Stimmbruches oder einer verrauchten, durchzechten Nacht klang, quer über den mit Marmor verunstalteten Flur. Rosa Marmorplatten – ja pfui!

„Halt die Klappe und nimm das andere Bad!“, schrie von der Gegenseite der Tür eine, für eine Frau viel zu tiefe und trotzdem erotisch quietschende Stimme. Ein Homeshoppingsender hätte sie mit Handkuss engagiert.

Britta fuhr sich wutentbrannt und mit hochrotem Kopf durch ihre vom Taft des Vortages zerstörte Frisur. Sie stand kurz davor, die Tür zum Bad einfach wegzuhexen und ihrer Tochter eine gewaltige Ohrfeige zu versetzen. Britta hasste es, wenn Susi in der Früh ihr Lieblingsbadezimmer in Beschlag nahm.

Die sehr attraktive Mutter besann sich wohlüberlegt eines anderen Vorgehens und drehte sich auf der Stelle um, aber nicht, ohne eine Falle für ihre Tochter zu hinterlassen. Sie sprach ein paar Worte und vollführte wenige, scheinbar vollkommen sinnlose Gesten.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht trat sie den Rückzug an und entfernte sich mit schwingenden Hüften.

Susi stand wie immer um diese Zeit vor dem Spiegel und überprüfte ihr Äußeres. Ihre Brille schwamm im Waschbecken vor ihr in einem schäumenden Meer aus Glasreiniger. Ihre normalerweise bis weit über die Schultern reichenden roten Haare riefen wieder einmal zum Mor-genprotest.

Susi kapitulierte und stellte sich unter die Dusche. Gerade als sie diese verließ und sich abtrocknete, schoss ihre Mutter unfreundliche Wortsalven auf die verschlossene Tür ab. Susi reagierte entsprechend und schimpfte zu-rück.

Als ihre Mutter endlich ein Einsehen zeigte und beleidigt fortging, atmete sie tief durch und beendete ihre Morgentoilette.

Sie zog ihre Klamotten an und überprüfte mit einem letztem Blick in den Spiegel ihre Optik.

Dieser zeigte ihr, was sie sehen wollte. Sie schnippte mit den Fingern und sämtliche Unordnung, die sie zuvor anrichtete, verschwand. Der Raum glänzte in makelloser Meister Propper Sauberkeit.

Mit sich und der Welt vollkommen unzufrieden, das heißt überglücklich, öffnete sie schwungvoll die Tür. Mit lautem Klappern von ihren viel zu hohen Absätzen setzte sie den ersten Schritt über die Schwelle.

Es kamen ein zweiter Schritt, ein dritter Schritt und dann ein lauter Schrei gefolgt von viel lauterem Fluchen. „Diese ordinäre Stöckelschuhfetischistin! Sie hat es tatsäch-lich getan. Ich glaube es ja nicht!“

Susi lag lang ausgestreckt auf dem Boden. Ihre Stöckelschuhe, die sie stolz trug, klebten einen Meter von ihr entfernt am Parkett fest.

Susi übersah in ihrer Morgendusseligkeit die Zeichen und fiel auf den Trick von Britta herein.

Ihre Mutter versah die Eichenbretterdielen mit einem kleinen Geschenk für ihre vorlaute Tochter und versie-gelte sie großflächig mit Klebstoff.

Susi lag also nicht nur auf dem Boden, sondern sie klebte daran fest.

Dieser Zauber galt aber nur für Kleidungsstücke und für Teile, die körperfremd waren. Susis Haut blieb von dem Klebeanschlag verschont. Ihr Gewand allerdings war hinüber.

Die junge Hexe reagierte nicht aufbrausend oder unüberlegt. Sie war nicht einmal wirklich wütend. Innerlich lachte sie sogar über den Streich ihrer Mutter.

Sie war selbst schuld, dass ihr dieses Missgeschick widerfuhr. Wäre sie in der Früh nicht immer so unfreundlich und würde sie nicht immer absichtlich das Lieblingsbad ihrer Mutter besetzen, dann wären ihr einige Atta-cken erspart geblieben. Andererseits würde sie diese auch vermissen.

Sind wir jetzt bei einem Wettbewerb der Konjunktive oder was?

Susi blieb eine Minute lang auf dem Boden liegen und grübelte. Ihr wollte nicht sofort der Spruch einfallen, um den Klebezauber aufzuheben.

Da er ihr überhaupt nicht einfiel, zog sie ihr Handy hervor und rief die Zauberspruchauskunft an.

Die freundliche Dame vom Service gab ihr bereitwillig die geforderten Informationen. Zusätzlich bekam Susi als Treueprämie einen Gutschein für einen Gratisanruf. Sie bedankte sich überaus freundlich dafür.

Vollkommen derangiert hinkte Susi schließlich zum Frühstück. Ihre Mutter sollte ruhig ein schlechtes Gewissen haben.

Britta erwartete eine Schimpfkanonade von ihrer Tochter. Diese blieb überraschend aus. Susi setzte sich stattdessen an Brittas Seite und sah sie bitterböse an.

„Schick, deine heutige Frisur!“, begrüßte sie ihre Mutter. „So elegant in ihrem Styling und so frisch jugendlich ungeordnet. Ist das ein neuer Look?“, bohrte Britta wei-ter.

Da Susi weiterhin eine Schmollmiene machte und nicht reagierte, fuhr sie fort: „Wo hast du nur diese tollen Gewänder her? So schön zerrissen und vollkommen unge-wöhnlich. Dezent auch der Geruch deines neuen Par-fums. Ist das die Marke Klebstoff oder Uhu?“ Die ältere Frau sah bei diesen Worten abschätzend an Susi herunter und blieb mit ihren Blicken an der Beschuhung hängen. „Also wirklich! Die Absätze an deinen Stiefeln hättest du trotzdem wieder hinzaubern können!“

Susi versuchte böse zu gucken und sah ihre Mutter mit verzerrten Mundwinkeln an. Sie erkannte ein boshaftes Blitzen in deren Augen und kapitulierte. Sie hielt es nicht länger aus. Sie grunzte ein lautes Lachen. Zärtlich griff sie ihre Mutter am Oberarm und hob ihre Kaffeetasse zu einem Prost. Britta tat dasselbe.

„Wo sind eigentlich die beiden Herren der Schöpfung?“, stellte Susi nach einer kurzen Pause die Frage in den Raum.

„Die beiden Trottel werden wahrscheinlich wieder einmal bis spät in die Nacht vor ihren wissenschaftlichen Arbeiten gesessen haben und vergaßen dann ihre Wecker zu stellen“, antwortete Britta.

„Du meinst also, dass Klausi in seinen Fitnessbüchern blätterte und Vater sich im Internet den neuesten Klatsch und Tratsch aus unserer Gemeinde ansah. So ganz nebenbei lud er die für ihn wichtigsten Informationen herunter, um uns gleich damit zu belästigen, stimmt´s?“

„So oder so ähnlich“, bestätigte Britta Susis Vermutung. „Willst du dieses Aussehen beibehalten, oder gedenkst du, es zu ändern, bevor die beiden hier antanzen?“, erkundigte sich Susis Mutter mit einem breiten Grinsen. „Ich glaube nicht, dass es meinem Bruder und meinem Vater überhaupt auffällt, wie ich aussehe“, gab Susi zu bedenken. Nichtsdestotrotz schnippte sie mit ihren Fingern und sprach drei Worte. In Sekundenbruchteilen verschwanden sämtliche Überbleibsel der morgendlichen Auseinandersetzung mit ihrer Mutter. Keine Sekunde zu früh.

Gerade ging die Tür zum Esszimmer auf und ein breitschultriger, durchtrainierter junger Mann mit einem undefinierbaren Haarschnitt betrat den Raum.

„Guten Morgen, ihr beiden!“, rief er gut gelaunt durch die Halle und kam mit schwungvollem Schritt auf seine Mutter und seine Schwester zu.

Er küsste beide Frauen auf die rechte und die linke Wange und setzte sich energisch auf seinen Platz.

„Vater kommt gleich!“, ließ Klausi hören und griff voller Begeisterung in den Korb mit den Brötchen.

„Ich bin begeistert, wie gut ihr beide heute wieder ausseht!“, schmatzte er mit einem Stück Brot im Mund.

„Ich bin begeistert, wie scheiße du wieder einmal aussiehst!“, antwortete seine Schwester.

„Sei nicht so gemein zu mir! Ich habe auch Gefühle. Und außerdem schaust DU heute tatsächlich sehr übel aus!“, konterte Klausi.

„Ich geh mal davon aus, dass ihr beide euren üblichen Morgenkonflikt um das Bad hattet?“, dachte er laut nach, ohne mit einer Antwort zu rechnen. Er fuhr mit seiner Selbstkonversation fort: „Wie viele Badezimmer gibt es in eurem Teil des Hauses? Sieben Stück, wenn ich mich richtig erinnere. Was macht ihr? Ihr schlagt euch um eines. Ich finde das absolut bescheuert!“, endete damit eine für den Jungspund viel zu lange Ansprache. Ja, Klausi sah verdammt jung aus, trotzdem zählte er einhundert-zwanzig Jahre und trotzdem war er das Nesthäkchen in der Familie. Seine Mutter Britta sah ja auch nur wie Mitte vierzig aus, obwohl sie fast zweihundert Lenze auf dem Buckel trug.

„Halt die Klappe, Klausi!“, schlugen zwei Stimmen im Chor auf ihn zurück.

„Wer wird denn in dieser Herrgottsfrüh gleich so unhöflich zueinander sein?“, erklang eine Stimme aus dem Hintergrund.

Der Vater der Familie betrat den Schauplatz. Wie sämtliche Mitglieder der Sippe litt auch er unter einer Sehschwäche und trug eine Brille.

Britta und Klausi trugen keine Gläser. Sie entschieden sich für Kontaktlinsen. Susi und ihr Vater Björn hingegen weigerten sich, Fremdkörper auf ihre Augen zu legen und genossen die Vorzüge von optischen Gläsern.

Mit dem Eintreffen von Björn zählte der Kern der Familie fast vollzählig.

Opa und Oma weilten in ihrem eigenen Haus und frühstückten etwas später. Meistens so gegen mittags. Britta sah kritisch auf ihre Uhr. Es war kurz vor vier Uhr in der Früh. Und wie das Leben so spielt, lief es dieses Mal ganz anders, als gewöhnlich. Opa und Oma, Brittas Eltern, blieb in dieser Nacht kein Schlaf vergönnt. Sie be-schlossen aus diesem Grunde, ihrer Lieblingstochter, eigentlich war sie sowieso ihre einzige Tochter, einen Überraschungsbesuch abzustatten.

Die zwei betagten Senioren, weit über dreihundert Jahre alt, bestiegen um kurz vor vier Uhr morgens ihr hundert Jahre altes Automobil und machten sich auf die Reise. Sie hätten natürlich auch die alternative Reisemethode auf dem Hexensofa wählen können. Doch das benutzten sie kaum.

Vor allem Opa, wie er mit vollem Namen hieß, wusste er fast gar nicht mehr, liebte den Geruch des stinkenden Verbrennungsmotors. Was er zugegeben viel mehr vergötterte, war das grantige Gesicht seiner Frau, wenn er ins Auto stieg. Ganz im Gegensatz zu ihm liebte Oma, auch ihren Namen kannten nur sehr wenige, die holprige und lautstarke Beförderungsmöglichkeit mit dem Automobil überhaupt nicht. Sie reiste viel angenehmer auf ihrem bequemem Sofa.

Susi, Britta, Björn und Klausi gerieten gerade so richtig in Fahrt bei ihrer allmorgendlichen Diskussionsrunde, als ihre beiden Uralten, wie Brittas Eltern unhöflich regelmäßig tituliert wurden, leise schleichend den Frühstückssaal erreichten.

Britta schrie gerade ein paar unanständige Wörter durch den Raum: „Haltet endlich eure Klappe und lasst mich ausreden. Wenn ich sage, dass …“

Mehr hörten sie nicht, da Klausi gerade in diesem Moment seine Tasse hochhob und mit lautem Scheppern auf den Boden knallte, woraufhin Susi ihm eine Ohrfeige gab. „Du alte Mistkuh …! Wenn du mir noch ein einziges Mal eine scheuerst, dann reiße ich dir deine ekligen, ungepflegten Haare einzeln aus!“

Kaum dass Klausi zu Ende sprach, landeten wieder fünf Finger auf seiner Backe. Dieses Mal allerdings von seinem Vater.

„Man sagt nicht Mistkuh zu seiner Schwester. Lass dir gefälligst ein originelleres Schimpfwort einfallen. Wie wäre es zum Beispiel mit: Du Missgeburt einer schimme-ligen alten Hexe, oder …“ Weiter kam Björn nicht mit seinen Ratschlägen über das Beleidigen von Hexen. Britta schnippte mit ihren Fingern und Björn kroch auf vier Beinen vor ihr auf dem Boden. Er quiekte wie Miss Pig-gy aus der Muppet Show und sah auch so aus. Klausi nuschelte in seinen nicht vorhandenen Bart. Er gab warnende Handzeichen. Doch zu spät.

„Hallo, alle miteinander!“

Vier Augenpaare starrten die Alten hasserfüllt an. Sämt-liche Streitigkeiten der Familie untereinander verflogen von einem Augenblick zum nächsten.

Vier Köpfe färbten sich rot und einer davon grunzte sogar. Dann trat ein Moment der Stille ein.

Die sogenannte Ruhe vor dem Sturm. Vier Stimmen in unterschiedlicher Lautstärke brüllten gleichzeitig: „Wer hat euch denn bestellt?“

So, oder so ähnlich sah also ein Frühstück bei Susi und ihrer Familie aus.

 

© 2010 Ralph Reichart